Wissenswertes über den Weinberg

Der Weinanbau hat in unserer Region eine tausendjährige Tradition. Schon seit dem 10. Jahrhundert gab es die Rebkultur. Stürmischen Aufschwung nahm sie ab dem 11. Jahrhundert durch die Grauen Brüder des Klosters Sanctae Mariae ad Portam (heute Schulpforta, auf der gegenüberliegenden Seite des Saaletales gelegen - genutzt als Internatsschule, mit restaurierter Kirche, lohnendes Wanderziel). 
Um auch die steilen Südhänge nutzen zu können, wurden die Steinbänke in mühsamer schwerer Arbeit errichtet. Noch heute können zur Erhaltung der Natursteinmauern auf Grund der extremen geographischen Bedingungen keine modernen technischen Mittel eingesetzt werden. Genauso ist die Pflege des Weines und des Bodens sowohl damals als auch heute nur mit fleißiger, oft nicht leichter aber mit viel Liebe ausgeführter Handarbeit zu erledigen. 

Die Aufzucht und Pflege der hiesigen Rebkultur beschäftigt den Winzer zu allen Jahreszeiten. Im Frühjahr, wenn die Fröste aufgehört haben, werden die Weinstöcke verschnitten und an den gespannten Drähten oder den Pfählen festgebunden. Im Verlaufe des Sommers muss das Unkraut drei- bis fünfmal abgehauen werden. Je nach Witterung bekämpft der Winzer drohenden Parasiten- oder Pilzbefall mit speziellen, für den Weinbau entwickelten Pflanzenschutzmitteln. Die Mittel werden mit einem tragbaren Motorspritzgerät an die Blätter und Trauben gesprüht.
Im Herbst muss die Weinlese vorbereitet werden. Die Scheren und Messer werden geschärft und Freunde und Bekannte zu den Leseterminen (Die unterschiedlichen Sorten reifen unterschiedlich lange.) eingeladen. Den Abschluss eines Weinlesetages bildet das Abliefern der Trauben in der Winzervereinigung und eine zünftige Feier unserer Lesegemeinschaft.

Die in unserem Weinberg angebauten Rebsorten sind typisch für den Weinbau an Saale und Unstrut:

Müller-Thurgau
Müller-Thurgau

Der Müller-Thurgau wurde von einem an sich kleinen Wein hier zu einer bemerkenswerten Kreszenz und zur Hauptanbausorte. Er vermittelt mit seiner würzigen und sauberen Blume schon beim ersten Schluck seinen aromatischen und kräftigen Geschmack. Die Begegnung mit ihm ist stets ein Erlebnis.

 

 

Silvaner
Silvaner

Der Silvaner ziert sich nicht, gibt sich dem Trinker freudig hin, erobert seinen Gaumen und seine Zunge im Nu.

 

 

 

Gutedel
Gutedel

Der Gutedel, leicht und liebreitzend, will jung getrunken werden und ist ein guter Begleiter für alle Gelegenheiten.

 

 

 

Riesling
Riesling

Der Riesling ist der edelste Weißwein der Region. Er bezieht auf Qualitätslagen seinen eigenständigen Geschmack aus der nördlichen Lage und den hiesigen Kalksteinböden.

 

 

Blauer Portugieser
Blauer Portigieser

Der Blaue Portugieser ist ein ehrlicher, sehr bekömmlicher Wein, der sich nicht grösser macht als er ist, und er enttäuscht eigentlich nie.

 

 

 

 

Unser Weinberg liegt im Saaletal zwischen Bad Kösen und Naumburg gegenüber des Klosters Schulpforta. Er gehört seit dem letzten Jahrhundert zur Großlage „Göttersitz“ und zur Einzellage „Steinmeister“. Stromaufwärts der Saale, Richtung Bad Kösen, schliessen sich das Landesweingut Kloster Pforta mit den Saalhäusern und stromabwärts, Richtung Freyburg/ Unstrut, die Roßbacher Weinberge an. 

 

Aepplerberge

Unser Weinberg und die beiden Berge zur Linken werden die Aepplerberge (Bild rechts) genannt. Dieser Name entstand nach 1700. Der Stadtrat Aeppler schenkte seine Weinberge der Stadt Naumburg.




Else und Walter Flechtner

Zur Jahrhundertwende war durch den Reblausbefall die gesamte Weinkultur im Saale - Unstrutgebiet eingegangen. Dieser und der übernächste Berg links kamen etwa Anfang der dreißiger Jahre in den Besitz der Familie Flechtner. Walter Flechtner (Bild links, mit Frau Else) rebte diese beiden Berge mit auf reblausresistenten amerikanischen Grundlagen basierenden Weinpflanzen wieder auf. Er war einer der ersten sehr aktiven Mitglieder der 1934 in Freyburg gegründeten „Winzergenossenschaft“. 

Erika und Heinz Dierking

Er bewirtschaftete die beiden Berge mit seiner Frau bis zu ihrem Tode im Jahr 1983. Eine seiner beiden Töchter (Erika, mit Ehemann Heinz †, rechts Bild) übernahm danach diesen Berg. Heute hat schon die nächste Generation die Arbeit im Weinberg übernommen. Ab 2017 pflegt der Sohn Karsten und seine Frau Dietlind den Weinberg weiter. Somit wird die Familientradition weiter geführt.

Mauern im Weinberg

Unser Weinberg misst in der Breite 40 Meter und in der Länge (Höhe) 170 Meter. Der Höhenunterschied zwischen dem unteren Weg und dem Plateau beträgt etwa 80 Meter. Der Weg von unten nach oben, vorbei an den vier Steinbänken, besteht aus einer Kalknatursteintreppe mit 142 Stufen.
Etwa 4000 Rebstöcke wachsen in unserem Weinberg. Zur Erleichterung des Transports von sperrigen und schweren Gütern wurde, übrigens als erstes in dieser Region von Walter Flechtner, eine Weinbergsdrahtseilbahn entwickelt und gebaut, die noch heute zu sehen und in Betrieb ist und viele Nachbauten in der Umgebung gefunden hat. 


ehemaliges Weinbergshaus

Interessant und Erwähnenswert sind die Art und die Geschichte der Wohnhäuser auf unserem Weinberg. Beide Häuser wurden als Lehmstampfbauten errichtet. Die Wände sind ca. 80 cm dick. Lehmstampfbauten werden in einer speziellen Art ohne Steine gebaut. Auf das Fundament, welches aus Naturkalkstein gemauert wurde, stampft man in eine Verschalung feuchten Lehm, gemischt mit Stroh, fest. Nach dem Antrocknen wird die Verschalung ein Stück nach oben versetzt und die nächste Schicht Lehm eingebracht. So wachsen die Wände Stück für Stück. Durch ihre Dicke und die Ausfüllung mit vielen kleinen Strohholräumen ergibt sich eine sehr gute Wärmeisolierung. Ein sehr gesundes Wohnklima entsteht durch den guten Luft- und Feuchtigkeitsaustausch dieser Wände.

Das kleinere Haus rechts vorn (vom Weg aus gesehen) ist eine alte Weinberghütte, die Inschrift im alten Türrahmen deutet darauf hin, dass sie im Jahre 1819 erbaut wurde. Sie diente den Winzern als Schlechtwetterunterkunft und Unterstellmöglichkeit für die hier im Weinberg benötigten Arbeitsgeräte. Sie hatte je ein Zimmer im Erd- und Obergeschoss. Es gab kein fließendes Wasser. Nach der Errichtung des grösseren Wohnhauses diente die Weinberghütte zum einen als Abstellraum und zum anderen seit etwa 20 Jahren als Unterkunft für Gäste. Nun ist sie auch Wohnhaus.

Großes Wohnhaus

Das neuere, grössere Wohnhaus wurde in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts erbaut. Es ist jetzt durch das höchste Dach zu erkennen. Der niedrigere Teil war Waschküche (jetzt Küche) und Stall (jetzt Bad). In den letzten zehn Jahren wurden beide Gebäudeteile umgebaut und renoviert und der Vorraum und die Terrasse zum Weinberg hin errichtet.